"Ich war früher so gut darin. Nicht so phänomenal wie Dallas Green im
Schreiben monumental erschütternder Songtexte oder Al Pacinos
Darbietung als junger Pate - aber ich war gut.
Ich habe meistens nur kurz
oder nie geweint. Aus Gewissenbissen, wegen genau diesem Punkt habe ich
dann zumindest alibiweise 500ml Cookie Dough Eiscreme gegessen, fettige
Pizza geordert und mit legalem Grund viel Wein getrunken.
Das erwünschte Konsumieren von Unmengen von Wein ist sowieso das Beste an jeder Trennung.
Dann
habe ich ohne mit der Wimper zu zucken die vögelfreien Wochen des
Ex-Freundes erduldet, nur über jede 3. hämische Kommentare abgegeben und
nur jede 6. mit einem mitleidigen Blick betitelt.
Ich habe sogar
sämtliche der nächtlichen Liebesbekundungen freundlich aber bestimmt
zurückgewiesen. Kein fieses Hoffnungen machen. Kein warm halten.
Kannst
du dich noch an das eine Mal erinnern, als jener
Lebensabschnittsbegleier der Meinung war er müsse unter meinem Fenster
bestechlich laut und unglaublich atonal "With or without you" von U2
singen? Nicht einmal den habe ich unwirsch abgewürgt. Ich habe ihn
aussingen lassen, ihm eine Aspirin, einen Bademantel und die Karte vom
Taxiunternehmen gereicht, bevor ich ihn bat mich - scheiße nochmal - nie
wieder zu belästigen.
Was ich damit sagen will ist: Ich war gut im Trennen.
Ich
bin nie durch irgendwelche 7 oder 8 Phasen gegangen. Ich hab eine
Entscheidung getroffen. Und dann weitergemacht. Es besser gemacht.
Ich
brauchte nie irgendeinen Rückspiegel um mich nochmal und nochmal und
nochmal vor lauter Einsamkeit davon zu überzeugen, dass der letzte
Fehlgriff nicht doch noch zumindest zu Discountware aufgestiegen ist.
Und
wenn nach 2 oder 3 Monaten dann doch mal Einsamkeit oder Wut aufkeimte,
dann zog ich los und schrie irgendeine H&M Mitarbeiterin wegen
ihrer Inkompetenz zusammen. Damit kann man übrigens nie was falsch
machen."
"Hast du den Bademantel eigentlich je wiedergesehen?"
"Darum geht es doch gar nicht. Kannst du dich bitte konzentrieren?!"
"Worum geht es dann?"
"Ich
bin urplötzlich schlecht im weitermachen. Ich meine, kann man das
verlernen? Ist das nicht wie Fahrrad fahren? Obwohl ich da keine
Vergleichsmöglichkeit habe, weil ich es nie konnte – aber was ich
eigentlich sagen will: was zur Hölle passiert hier mit mir?
Ich – ich – weine. Ständig. Und zwar nicht, ein paar leise Tränen, die dekorativ über die Wangen laufen, sodass ich mich ans Fenster stellen und eine Interpretation von Kate Hudson abgeben könnte. Nein. Ich sehe dabei eher aus wie Claire Danes in Rome & Juliet.
Den
ganzen Tag fühle ich mich ununterbrochen hundeelend und sobald ich auch
nur kurz an ihn denke, bekomme ich zusätzlich noch Bauchschmerzen.
Ich
musste sämtliche meiner Playlists löschen, meinen Filmgeschmack ändern,
mir sogar eine neue Lieblingsserie suchen. Wenn Chuck und Blair sich ein Wortgefecht liefern. Wenn Tom betrunken zum Mikro greift. Ein Wort von Jacob Underwood über Love and Crime und ich bin geliefert.
Ich gehe nicht mehr zu Starbucks,
esse kein Fast Food mehr, kann keinen Kirschtee mehr sehen.
Ich habe mein
Bett abgezogen, meine Pinnwand leer geräumt, ein neues Parfum gekauft und jedes Outfit verbannt in dem er mich schön fand. Ich
habe sogar mein Waschmittel gewechselt. Trotzdem hängt sein Geruch in
jedem Raum. Sogar meine Lieblingsbücher zu lesen, bereitet mir schlimmste Übelkeit. Und dafür finde ich ihn echt zum Kotzen!
Ich nehme das Handy 2 Mal die Stunde in die Hand um
ihn anzurufen, weil ich gerade etwas Absurdes gelesen oder gesehen habe. Und bevor er rangehen kann, lege ich auf und ignoriere seine Rückrufe. Oder bin kurz vorm Ausflippen, weil er nicht zurückruft.
Glaub mir, würde ich mich selbst hören, ich würde eine Abschiebung nach Conneticut in Erwägung ziehen. Dort könnte ich dann in irgendeinem Kleinstadtvorort mein armseliges Verhalten beim Tanztee oder Gärtnern überdenken und Reifröcke tragen."
"Ziemlich viele Worte für : Ich vermisse dich."
"Was genau vermisse ich denn eigentlich?"
"Nicht was. Du vermisst nicht nur das Wortgefecht. Oder einen endlos langatmigen Kunstlfilm. Oder schlechte Popmusik. Oder glutamathaltiges Essen. Einen gemeinsamen Abend. Deinen Kopf auf seiner Schulter. Irgendein Bild oder ein Telefonat oder vielleicht sogar einen Moment. Dann wäre es einfach. Dann wäre alles wie immer.
Dann könntest du genau so weitermachen, wie du es über die Jahre perfektioniert hast. Dann würden wir jetzt Wein aus Pokal-Gläsern trinken und über den letzten lächerlichen Istagram-Post seiner neusten, geistlosen Eroberung debattieren.
Du wirst nicht schmerzhaft an irgendwelche Szenarien, die du mit jedem hätten erleben können, erinnert.
Du vermisst keine Dinge.
Du vermisst ihn."
"Ich vermisse ihn. Ja. Sehr sogar."
"Und was machen wir jetzt?"
"Wir könnten es nochmal mit dem Wein versuchen oder?"